Als ich die Route geplant habe, war mir nicht bewusst, was für ein Viech der Arlberg-Pass ist. Dass es nicht so easy-peasy sein wird, dämmerte mir dann schon mal. Jetzt bin ich 95 km und etwa 1700 Hm gescheiter.
Feldkirch–Arlberg–Landeck
95 km, ø17, 3 km/h, 1735 Hm
Das Wetter ist gut. Der Wind ist weg. Es beginnt recht harmlos. Ein paar Steigungen. Komoot schickt mich über etliche Nebenstrassen, hat aber schon nach der ersten Abzweigung einen dummen Rüssel, ich solle doch jetzt besser umkehren. Langsam nehme ich es persönlich. Und nein: Ich habe ihm gesagt, er solle mich NICHT zum Ausgangspunkt der Route weisen. Vielleicht schaffe ich es, mich mit den Finessen anzufreunden, bis ich nach Hause muss.
Bis Bludenz sind es gut 20 km. Zeit für einen kleinen Imbiss in der Bäckerei am Bahnhof. Und einen Espresso. Auf der Strecke bis hierhin sind doch schon etwas Steigungen zusammengekommen, aber immer so um 1 bis 2%. Meist auf Feldwegen.
Nach Bludenz gehts dann aber zur Sache. Nochmals ein paar Kilometer zum Einlaufen, aber schon bald falle ich hinter die E-Bike-Fraktion zurück. Komme mir vor wie der Rennradfahrer in „Les Vacances de Monsieur Hulot“. Bis Klösterle sind es weitere 20 km, Und das mit dem Feldweg muss irgendwann ein Ende haben. Ich wechsle auf die Strasse - Verkehr hats da auch nicht viel. Das eine oder andere Mal wird man beim Tunnel aussen rum geschickt. Auch gut so. Denn auch im Tunnel gehts mit 5 bis 8% bergauf.
In Klösterle gibts ein Zmittag im Restaurant auf der Terasse. Und zum Glück keinen Bahnhof. Denn ich ich erwäge allen Ernstes, meine Passüberquerung in den Untergrund zu verlegen.
Den Bahnhof in Langen am Arlberg lasse ich dann rechts liegen, immerhin schon auf gut 1200 Meter. Da schaffe ich nun auch noch die restlichen bis 1800.
7%, 8, dann rasch 11, wieder 6 und dann 9%, und in Stuben steht die Wand vor mir: Steil übereinander türmen sich die Haarnadelkurven in die Höhe, ich brauche zehn Minuten, um den Mut zu fassen, es in Angriff zu nehmen. Sehr zu meinem Glück ist der Verkehr in meine Richtung nicht so dicht. Den E-Bikern sind die Elektronen ausgegangen, die wagen sich nicht dahin. Erst kurz vor der Passhöhe überholt mich locker flockig ein Pärchen (nehme ich an) auf seinen Rennvelos.
Cappuccino und Apfelkuchen mit Vanille-Sauce auf der Passhöhe, dann warme Kleider montieren und in die Tiefe stürzen. Mit bis 14% Gefälle. Meine Beleuchtung könnte ich getrost abschalten, die Bremsscheiben leuchteten wohl genug. (Tatsächlich halte ich hin und wieder für zwei, drei Minuten an, um sie ein bisschen auskühlen zu lassen.)
Sobald es ein bisschen weniger steil wird, ist es aber ungemein cool, die erworbenen Höhenmeter wieder auszugeben. Nur zwei, drei kleine Gegensteigungen, sonst mit konstant 35 bis 45 Sachen der Stadt Landeck entgegen.
Und jetzt: regnets.
++++Fotos kommen – geht grad noch hier++++