Otočac–Obrovac
121 km, 1007 hm, ø23,2 km/h
Viel besser als heute kann es fast nicht sein, und viel tiefer fallen kann ich auch nicht.
Das eine oder andere Déjà-vue, zurück im Sommer, fertig mit rustikaler Landwirtschaftsatmosphäre, Rückenwind, definitiv mehr nedsi als obsi, und fast nie gefroren. Aber vielleicht ein bisschen der Reihe nach, so gut es geht.
Nach einem gemütlichen Zmorge auf dem Barhocker meiner Wohnküche für eine Nacht, mit gestrigen Gipfeli, weitgereistem Edamer-Scheibenkäse (das ist dieses Gummizeug, aber wird nicht grad schlecht, wenn es mal zu warm bekommt), feinem Nussbrot und ebensolchem Kafi starte ich auf eine lange gerade Ausfahrt aus Otočac hinaus.
Dass mir ein längerer Anstieg bevorsteht, weiss ich. Egal. Die Sonne scheint, es ist nahezu windstill, noch ein bisschen kühl vielleicht, aber ich bekomme dann ja bald warm.
Denn da war sie ja auch schon, die Steigung. Aber auch heute: durchaus fahrbar, ohne Murks. Eifach Gring abe u trampe.
Da muss man aufpassen: Ich verpasse ja beinahe zurückzublicken. Wenn ich da nicht aus dem Augenwinkel zwei Leute gesehen hätte und nur ein Velo: Tandem.
Die beiden geniessen die Aussicht ins Tal, das von oben fast ein bisschen wie eine Mulde oder ein Kessel aussieht. Nach ein paar Worten, sie sind aus England, North of London, bergauf halt langsam wegen Tandem und Alter (das Tandem sei 49-jährig, wie alt sie selbst sind, weiss ich nicht) und immer „traveling light“ unterwegs, verabschieden wir uns.
Nach den gut 200 Metern bergauf befinde ich mich auf dem Hochplateau Lika (kroatisch: Lićko Polje), einer Karstlandschaft, die auch für ihre kalten Winter bekannt ist.
Tatsächlich hat sich die Landschaft gewandelt: nicht mehr grüne Matten und weidende Kühe, viel felsiger und rauer.
Der Wind steht gut, die Strasse führt sanft den Höhenlinien nach, manchmal ein bisschen rauf, manchmal ein bisschen runter, Zeit zum Schauen, Verkehr fast null, gemütlich gut vorwärts kommen, gleichmässig, rollen, den Wind und die Pneus hören.
Bei einem Restaurant mache ich dann eine erste Pause – sieht aber noch geschlossen aus, ein Schild steht davor und sagt etwas mit 12 Uhr. Ich esse von meinen Vorräten in der Tasche, und da sind sie wieder, die beiden aus England. Wir trinken einen Kaffee zusammen (unterdessen ist es 12), speichen etwas Velolatein, über Touren, Vor- und Nachteile von Tandems und normalen Velos und Mitnahmemöglichkeiten beim öV.
Sie fahren heute nur noch bis Gospič, dort ist bei mir aber erst knapp Halbzeit. Also breche ich auf.
Es geht voran heute, mit dem Wind im Rücken, fast keinen Steigungen und einer generell guten Laune. Bei Kilometer 85 beginne ich zu halluzinieren, die Schlusssteigung sei wohl verpackt in einen langen Einprozenter, den ich sicher schon bald geschafft habe. Wär ja zu geil gewesen. Die Karte schleuderte es mir ins Gesicht: Bis Obrovac zuerst noch 300 Meter rauf, aber dann laufen lassen.
Und ja: Es ging schampar steil und lang bergauf, für dass es gegen Etappenschluss war. Aber dann die Abfahrt. Eeeeeeeendlos. Und die Aussichten. Eeeeeeeendlos geil. Und der 1000. Kilometer seit Sargans, und das in dieser spektakulären Landschaft.
Unten angekommen, auf noch 10 Metern über Meer, nach 15 Kilometern bergab, steche ich in die erstbeste Gartenbeiz, bestelle ein Bier und bin zufrieden. All die Höhenmeter verschwenderisch in einer Abfahrt zu verprassen und auch wenn ich darum nun friere: gut wars.